Haben wir Deutsche das Bauen verlernt?

Betrachten wir die letzten 30 Jahre. Ende der Achtziger entstanden in Windseile vom Staat geförderte Wohnungen und Wohnhäuser, obwohl Skizzen, Pläne, Berechnungen noch händisch erstellt wurden. Der Aufwand der Vervielfältigung, Verwaltung, Verteilung sowie die Kommunikation der am Prozess Beteiligten war im Vergleich mit den heutigen Möglichkeiten (CAD, PDF-Format, Email, Smartphone usw.) um ein Vielfaches höher. An der eigentlichen Errichtung der Immobilen hat sich in dieser Zeit nicht viel verändert.

Was ist geschehen? Man bekommt den Eindruck, als seien Gesetze und Vorschriften, Verwaltungen und Behörden, Bürger und Nachbarn besser darin, Neubauten zu verhindern oder zu verzögern, als sie zu verwirklichen.

Wir haben in Deutschland für die Errichtung eines Neubaus ca. 18.000 Normen, Vorschriften und Verordnungen die eingehalten werden müssen. Ein neue Immobilie muss so perfekt sein, dass sie kaum zu realisieren ist. Die Niederlande zum Vergleich haben in den letzten Jahren ihre technischen Vorschriften reformiert und auf ca. 1.200 Bauregeln reduziert. Dadurch können Genehmigungsverfahren vereinfacht werden. Zudem könnten Unterlagen digital übermittelt werden. Bürger, die vielleicht schon in ihrem Traumhaus wohnen, sollten keine neuen Projekt verhindern und Nachbarn sollten sich daran erinnern, dass sie auch einmal gebaut haben und daran, dass dies mit Lärm, Schmutz und Einschränkungen verbunden ist. Die Zinsen sind historisch niedrig (in den Achtzigern lagen sie jenseits der 12%!), doch alleine die Kosten für Grunderwerbsteuer, Grundbucheintrag, Notar und Maklercourtage liegen bei bis zu 15% des Kaufpreises.

Wir sollten uns von unseren niederländischen und skandinavischen Nachbarn inspirieren lassen, auch bei Themen wie z.B. Vergabe von Bauland. Hier zählt nicht das höchste Gebot, sondern die beste Idee bekommt den Zuschlag. Ganz nach dem Motto: „Een goed begin is het halve werk“ (Ein guter Anfang ist die halbe Arbeit). Das Ergebnis ist eine zeitgemäße Architektur und bezahlbarer Wohnraum. Und eine wenig von den Achtzigern, als alles noch etwas einfacher war…

TOT DAN !

Foto: Shutterstock




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